Der Rundfunk-Kinderchor
1955 von Manfred Roost gegründet. Am Berliner Georg-Friedrich-Händel-Gymnasium beheimatet. Zusammenarbeit mit erfahrenen Musikpädagogen (z. B. speziell erarbeitete Lehrprogramme für Stimmbildung und Chorerziehung).
Breites Repertoire von Werken Alter Meister über Neuinterpretationen traditioneller Volks- und Kinderlieder bis hin zu zeitgenössischen Stücken. Regelmäßige Mitwirkung bei großen chorsinfonischen Aufführungen von Bach bis Bernstein. Zusammenarbeit mit profilierten Dirigenten wie Serge Baudo, Raphael Frühbeck de Burgos, Eliahu Inbal, Herbert Kegel, Zubin Mehta, Kent Nagano, Jeffrey Tate, Simon Rattle, Vladimir Jurowsky u. a. Gastspielreisen ins europäische Ausland, nach Japan, Taiwan und in die USA.
Mit Lust auf Tradition und populäre Werke
von Marleen Hoffmann
1955 wurde der Rundfunk-Kinderchor Berlin für den Deutschlandsender (DDR) gegründet. Bereits 1984 sang der durch zahlreiche Konzertreisen und Rundfunk- bzw. LP-Aufnahmen international renommierte Chor erstmals im frisch wiedereröffneten Schauspielhaus, heute Konzerthaus. Seit damals findet das alljährliche Weihnachtskonzert an einem Weihnachtsfeiertag im Konzerthaus statt, so auch in diesem Jahr am Nachmittag des 26. Dezembers vor ausverkauftem Haus, diesmal im Rahmen des 70-jährigen Chorjubiläums. Gemeinsam mit dem Kinderchor der 5. Klassen des Georg-Friedrich-Händel-Gymnasiums und dem Mädchenchor Canta Chiara gestaltete der Rundfunk-Kinderchor Berlin unter der Leitung von Carsten Schultze sein Weihnachtsliedersingen stimmungsvoll und abwechslungsreich. Unterstützt wurden die drei Chöre dabei vom Kammerorchester Georg-Friedrich-Händel unter der Leitung von Knut Andreas sowie von Anna-Maria Fitzenreiter (Harfe), Maria Grimm (Klavier) und Matthias Suschke (Orgel).
Die 70-jährige Chorgeschichte zeichnet sich durch Beständigkeit bei nur zwei Chorleitern aus, 1955 bis 2001 Professor Manfred Roost und seit nunmehr 23 Jahren der derzeitige Chorleiter Schultze, somit ein Chor mit einer spürbaren langen Traditionslinie. Anders als der in Trägerschaft der ARD befindliche MDR-Kinderchor ist er nicht mehr dem Rundfunk angegliedert, sondern seit 1974 am musikbetonten Händel-Gymnasium in Friedrichshain (1906 gegründet) beheimatet.
Im Konzert war das Traditionsbewusstsein, zum Beispiel für beliebte deutsche Weihnachtslieder ebenso wie für Bearbeitungen aus der DDR-Zeit (Helge Jung, Rolf Lukowsky, Hans Sandig, Jürgen Wilbrandt und Sylke Zimpel) und die Verbundenheit des Chores mit dem Werk von Benjamin Britten – 1968 Aufführung des War-Requiems unter Brittens Leitung – ebenso spürbar wie die persönliche Note Schultzes durch seine eigenen Arrangements und die seiner Assistentin Grimm und durch seine Lust auf populäres, zeitgenössisches und rhythmisch anspruchsvolleres internationales Repertoire, u.a. aus Finnland bzw. aktuelles vom Norweger Ola Gjeilo. Die gleichmäßig über das anderthalbstündige Konzert verteilten Auszüge aus Brittens „A Ceremony of Carols“ gaben ebenso Struktur wie die drei zwischen den Chorsätzen platzierten und das musikalische Spektrum erweiternden Instrumentalwerke von Paul Hindemith und Arcangelo Corelli für Orchester und von Claude Debussy für Harfe und Orgel. Die drei Chöre sangen mal gemeinsam, mal im Wechsel und auch die Chorsoli erweiterten die dynamische und stimmliche Bandbreite des Konzerts ebenso wie die Begleitung mal mit Orgel bzw. Harfe, mal mit Orchester oder selten ganz a cappella.
Schultze dirigierte die beiden Kinderchöre zugewandt mit großen weichen Bewegungen, den Mädchenchor auch mal lässig und locker. Zum Schluss war das wohlwollende Publikum zum Mitsingen eingeladen, dann auch mal ganz ohne Dirigat – ein Leichtes für diese erstklassig ausgebildeten Sängerinnen und Sänger. Insgesamt ein vielfältiges und gleichzeitig traditionsreiche Programm voller weihnachtlicher Stimmung fürs Herz.
Quelle: Kulturteil der Berliner Morgenpost vom 27.12.2025 (Rezension zum Konzert vom 26.12.2025)
